Katzenseuche - Feline Panleukopenie

Als ob ein Name nicht ausreichen würde, um den Schrecken auszudrücken, den diese Krankheit verbreitet, ist die Parvovirose unter mehreren Bezeichnungen bekannt: als Katzenseuche, Katzenpest oder Katzenstaupe, und Feline Panleukopenie.

Aber wie man sie auch nennen mag: Die Katzenseuche ist nach wie vor für Tausende von Todesfällen insbesondere bei jungen, ungeimpften Katzen verantwortlich.

Die Krankheit wird von einem Virus, das aufgrund seiner Winzigkeit Parvovirus (parvus = klein) genannt wird, verursacht. Das Parvovirus schädigt in erster Linie die Darmschleimhaut und führt so zu schweren Durchfällen, die innerhalb weniger Tage und Stunden eine lebensbedrohliche Austrocknung des Organismus zur Folge haben können. Darüber hinaus wandert der Parvovirose-Erreger in die verschiedensten Organe und Gewebe ein. Eine verheerende Wirkung entfaltet er im Knochenmark und den so genannten lymphatischen Geweben. Das sind die Kinderstuben der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), der Zellen, die für die körpereigene Abwehr zuständig sind. Das Parvovirus vernichtet diese Abwehrzellen, und es kommt zu der namensgebenden Panleukopenie: einem absoluten Mangel an körpereigenen Abwehrzellen im Blut.

Dies wiederum hat zur Folge, dass der Organismus nun anderen Krankheitserregern schutzlos ausgeliefert ist. Es kann leicht zu so genannten Sekundärinfektionen kommen. Selbst wenn eine Katze die eigentliche Parvovireninfektion übersteht, kann ihr Überleben  immer noch von anderen Keimen, die die Schutzlosigkeit des Körpers ausnützen, gefährdet werden.
Erkrankte Tiere müssen vor allem symptomatisch behandelt werden. An erster Stelle steht hier die Versorgung mit Flüssigkeit und Mineralsalzen, um der Austrocknung vorzubeugen und den Kreislauf zu stützen. Dies geschieht am effektivsten über eine Infusion. Geschwächte Tiere sollten über die Infusion auch künstlich ernährt werden. In sehr schweren Fällen sollte – wenn möglich – Blutplasma ersetzt bzw. eine Bluttransfusion durchgeführt werden.

Das Virus überlebt fast alles

Darüber hinaus müssen die Tiere mit einem Breitbandantibiotikum vor bakteriellen Infektionen geschützt werden. Gegen das Virus selbst gibt es heutzutage noch keine Medikamente. Es gibt allerdings ein Anti-Parvovirus-Serum, das den Kampf gegen das Virus unterstützen kann. In einigen Fällen hat sich auch der Einsatz von Interferon als hilfreich erwiesen. In der Erholungsphase der Erkrankung ist eine leicht verdauliche und vitamin- und energiereiche Kost empfehlenswert. Eventuell setzt der Tierarzt ein B-Vitamin-Präparat zur Unterstützung der Genesung ein. Die Tiere sollten möglichst warm und geschützt gehalten werden.
Das Parvovirus wird von erkrankten Tieren oder Katzen, die selbst nicht krank werden, aber das Virus in sich tragen, mit allen Körperflüssigkeiten und vor allem dem Kot ausgeschieden. Andere Katzen nehmen dann das hoch ansteckende Parvovirus meist über den Mund auf – z. B. beim Fressen, Trinken, der gegenseitigen Körperpflege oder bei der Untersuchung der Schuhe ihrer Menschen, nachdem diese draußen waren.
Kranke Katzen sollten in Quarantäne und unter strikten Hygienemaßnahmen gehalten werden. Das bedeutet beispielsweise auch, dass Hände, Kleidung und alle Utensilien, die in Kontakt mit Parvoviren gekommen sein könnten, sorgfältig gereinigt und desinfiziert werden sollten, wenn man bei erkrankten Tieren war. Wichtig: Nur sehr scharfe Desinfektionsmittel, wie z. B. Natriumhypochlorit, NaOH oder Formaldehyd, können das Virus abtöten. Gegenstände, die nicht viel kosten, sollte man daher am besten vernichten, denn Parvoviren überleben unter geeigneten Bedingungen über ein Jahr in Decken, Teppichen, Fressgeschirren, Schuhen und so weiter.

Impfen Sie auch Wohnungskatzen

Einfrieren kann sie ebenso wenig unschädlich machen wie die meisten Desinfektionsmittel. Ja, selbst in fachgerechten desinfizierten Räumen kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Infektionen mit dem Virus, und so empfiehlt das European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD) in seinen Richtlinien zur Bekämpfung von Parvovirose vom Juli 2006, dass nur vollständig grundimmunisierte Katzen in Haushalte aufgenommen werden sollen, in denen es schon einmal zu einem Ausbruch von Parvovirose gekommen ist. Da das Parvovirus über die Kleidung und die Schuhe in Wohnungen „einreisen“ kann, müssen auch reine Wohnungskatzen regelmäßig und sorgfältig gegen Parvoviren geimpft werden. Zur Grund-immunisierung sind mindestens zwei Impfungen im Abstand von höchstens vier Wochen sowie eine Impfung im darauf folgenden Jahr das Minimum.
Bei Jungkatzen, bei denen noch mütterliche Antikörper im Blut zirkulieren könnten oder die unter besonders risikoreichen Umständen leben, sind sogar drei bis vier Impfungen im Abstand von jeweils höchstens vier Wochen empfehlenswert. Auch bei Jungtieren zählt die Wiederauffrischungsimpfung ein Jahr danach noch zur Grundimmunisierung.
Nach der Grundimmunisierung richten sich die Abstände zwischen den weiteren Wiederauffrischungsimpfungen nach dem verwendeten Impfstoff und den Lebensumständen der Katze.

In den ersten Lebensstunden...

...nehmen die Kätzchen mütterliche Antikörper mit einer besonderen Milch, dem Kolostrum, auf. Diese Abwehrstoffe schützen die Babys vor einer Parvovirus-Infektion, wenn die Mutter dagegen geimpft wurde. Wenn die Kätzchen älter werden, verlieren die mütterlichen Antikörper ihre Schutzwirkung, stören aber noch die Bildung eigener Abwehrstoffe durch die Impfung. Diese gefährliche Phase, in der der mütterliche Infektionsschutz nachlässt, die Produktion eigener Schutzstoffe aber noch nicht funktioniert, nennt man immunologische Lücke. Sie tritt individuell ganz unterschiedlich zwischen der 6. und 12. Lebenswoche auf.

Warum Impfungen versagen können

Impfdurchbrüche, d. h. Krankheitsfälle trotz Impfung, sind immer möglich – auch wenn die Impfung fachgerecht und sorgfältig durchgeführt wurde und der Impfstoff völlig in Ordnung ist. Denn einen 100%igen Impfschutz gibt es nicht.
Impfstoffe werden in Deutschland sehr streng kontrolliert. Bevor ein Impfstoff auf den Markt kommt, wird nicht nur seine Wirksamkeit, sondern auch seine Unbedenklichkeit sorgfältig überprüft. Besteht dennoch der Verdacht, dass ein Impfstoff nicht oder nicht ausreichend gewirkt bzw. Nebenwirkungen zur Folge hat, sollte der Tierarzt diesen Verdacht den zuständigen Stellen melden (Paul Ehrlich Institut).
Häufiger bleiben Impfungen wirkungslos, weil das Immunsystem des Impflings nicht wie gewünscht reagiert: Bei Jungtieren zirkulieren oft noch mütterliche Antikörper im Blut, die die Bildung köpereigener Abwehrstoffe (immunologische Lücke) verhindern. Auch ein geschädigtes oder überlastetes Immunsystem bildet keine Abwehrstoffe nach der Impfung – daher dürfen auch nur völlig gesunde, gut genährte und möglichst parasitenfreie Tiere geimpft werden. Neben Krankheiten unterdrücken auch bestimmte Medikamente und länger andauernde Stresszustände das Immunsystem. Darüber hinaus gibt es erbliche bzw. im Mutterleib entstandene Immunschwächen, die die Wirkung einer Impfung verhindern können.
Äußerst wichtig für einen effektiven Impfschutz sind eine sorgfältige Grundimmunisierung und regelmäßige Wiederauffrischungsspritzen. Das Impfschema für Grundimmunisierung und die Wiederauffrischungsspritzen richten sich nach dem Alter des Tieres, seiner Gefährdung und dem verwendeten Impfstoff. Ihr Tierarzt berät Sie über das für Ihre Katze beste Impfschema.