Lebererkrankungen bei Katzen

Die Leber verrichtet tagtäglich so unauffällig ihren Dienst, dass man sie einfach vergessen könnte. Dabei geht ohne die Leber im Organismus nichts.

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Über die in der Leber gebildete Galle werden Nahrungsfette im Darm aufgeschlossen, damit sie die Darmwand passieren und in die Blutbahn gelangen können. Auf diese Weise werden auch die lebensnotwendigen fettlöslichen Vitamine, wie z.B. Vitamin A oder E, in den Organismus aufgenommen. Neben der Galle stellt die Leber jedoch auch noch andere wichtige Hilfsstoffe (Enzyme) zur Verdauung der Nahrung her.
Des Weiteren müssen alle Nährstoffe aus der Nahrung über die Blutbahn zunächst in die Leber transportiert werden. Dort werden sie so aufbereitet, dass die verschiedenen Körperzellen sie verwerten können.

Viele Symptome sind kein Beweis

Die Leber ist auch für die Entgiftung einer Vielzahl schädlicher Substanzen zuständig. Das können sowohl Gifte von außen, als auch Abfälle aus dem Stoffwechsel sein, wie z.B. Ammoniak, der im Eiweißstoffwechsel anfallen kann.
Die Leber produziert auch Blutgerinnungsfaktoren, ohne die bereits eine kleine Wunde zum Verbluten des Tieres führen könnte. Und sie bildet Hormone und andere Botenstoffe, die auf den Flüssigkeitsaustausch, die Körpertemperatur, den Kreislauf regulierend einwirken und auf das Immunsystem Einfluss nehmen.
So vielfältig wie die Aufgaben der Leber sind auch die Symptome, wenn das Organ krank ist. Es kann dann zu Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, großem Durch, Erbrechen, Durchfall oder auch immer wiederkehrenden Verstopfungen, Fieber, Speichelfluss, Einblutungen in die Schleimhäute und stumpfem, glanzlosem Haarkleid kommen.
Das bekannteste Symptom von Lebererkrankungen ist die Gelbsucht (Ikterus), eine Verfärbung von Schleimhäuten und Haut mit dem gelben Farbstoff Bilirubin. Bilirubin entsteht aus dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der frei wird, wenn die roten Blutkörperchen absterben. Die Leber bereitet das entstandene Bilirubin so auf, dass es über die Nieren ausgeschieden werden kann. Ist die Leber hierzu nicht in der Lage, verbleibt das Bilirubin im Körper.
Im Verlauf einer Leberkrankheit kann es zu schweren Störungen des Nervensystems und des Gehirns kommen, dem Hepatoenzephalen Syndrom. Es entsteht, weil die kranke Leber nicht mehr in der Lage ist, Schafstoffe zu entgiften.
Insbesondere die Schadstoffe aus dem Eiweißstoffwechsel sind jedoch giftig für das Nervensystem. Das Hepatoenzephale Syndrom ist durch Verhaltensänderungen wie Aggressivität, Ängstlichkeit, Orientierungslosigkeit sowie Muskelzittern und Krämpfe bis hin zu komatösen Zuständen gekennzeichnet.

Viele Ursachen können zu Leberschäden führen

Trotz der Vielfalt der Symptome beweit nicht eines dieser Symptome eindeutig den Leberschaden. Selbst die Gelbsucht kann sich auch aufgrund anderer Ursachen wie z.B. einer Erkrankung des Blutes entwickeln. Zur Diagnostik von Lebererkrankungen werden daher vielfältige Untersuchungen, wie Bluttests, Ultraschall oder Biopsien (Gewebeentnahmen zur Laboruntersuchung) durchgeführt.
Auch die Ursache für eine Lebererkrankung kann nicht immer zweifelsfrei gefunden werden. Eindeutig sind meist Verlegungen der Gallenwege, Durchblutungsstörungen und manchmal Schäden durch Gifte. Unter Umständen kann es zu einer Bakterieninfektion die zu einer eitrigen Entzündung der Leber führt, kommen. Darüber hinaus können Leberschäden auch begleitend bei Infektionen wie FIP oder Feline Leukämie entstehen. Hormon- und Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus ziehen auch die Leber in Mitleidenschaft, ebenso können es Tumore.
Zur Therapie von Leberkrankheiten sollten die zugrunde liegenden Ursachen erkannt und möglichst ausgeschaltet werden. Doch das ist leichter geschrieben als getan. Häufig kann die zugrunde liegende Krankheit nicht festgestellt werden, oder es handelt sich um eine unheilbare Erkrankung wie beispielsweise FIP oder Feline Leukämie.
Es gibt bis heute auch keine Medikamente, die die Leber effektiv schützen oder in ihrer Funktion unterstützen könne. Daher spielt die Ernährung die bedeutendste Rolle bei der Therapie von Leberkrankheiten.
Bei der Diät geht es vor allem darum, das kranke Tier optimal zu versorgen und die Leber dabei zu schonen. Hierzu setzt man eine hochkonzentrierte und leicht verdauliche Nahrung ein, damit die Leber bei der Aufbereitung der Nährstoffe und der Entgiftung von Abfall- und Schadstoffen möglichst wenig Arbeit hat.

Das richtige Futter wird zu Medizin

Am besten füttert man die Patienten mehrmals täglich mit kleinen Portionen, denn auch so schont man die Leber. Zusätzliche Gaben der Vitamine C, E und B-Komplex können der Leber helfen. Vorsicht ist bei Vitamin A und dem Spurenelement Kupfer geboten – zu große Mengen können die Leber zusätzlich belasten. Falls die Blutgerinnung durch die Lebererkrankung beeinträchtigt ist, muss der Tierarzt Vitamin K spritzen.
Bei einem Hepatoenzephalen Syndrom ist die richtige Eiweiß-Versorgung von großer Bedeutung. Die Proteine (Eiweiße) müssen insgesamt auf die unbedingt nötige Menge reduziert werden. Darüber hinaus müssen sie leicht verdaulich sein. So wird die Bildung der schädlichen Abfallstoffe aus dem Eiweißstoffwechsel vermieden. Diesem Zweck dient auch der Zusatz bestimmter Rohfasern im Futter. Sie sollen die giftigen Abfallprodukte im Darm binden. Gleichzeitig wird der Tierarzt mit Antibiotika die Darmflora beeinflussen, dass auch hier nur wenig giftige Schlacken entstehen. In schweren Fällen muss eine Flüssigkeitstherapie über Infusion erfolgen.
Die Therapie von Lebererkrankungen ist nicht einfach – Todesfälle sind trotz intensiver Behandlung und Betreuung möglich. Doch wenn die Ursache der Erkrankung ausgeschaltet werden kann und es gelingt, das Leberproblem in der Griff zu bekommen, stehen die Chancen auf eine Heilung gar nicht so schlecht, denn die Leber kann sich wieder vollständig regenerieren.

Steckbrief: Katzenleber

Die Leber ist die größte Drüse des Organismus. In ihr finden über 1500 verschiedene biochemische Reaktionen statt. Erst bei einem Verlust von 70% des Gewebes sind Funktionsausfälle zu erwarten. Oder anders: Auch wenn nur noch 30% des Lebergewebes arbeiten, wirkt die Katze noch gesund. Darüber hinaus verjüngt sich die Leber stets, indem alte Zellen durch neue ersetzt werden. Im Laufe eines Katzenlebens wird jede Leberzelle ca. sieben Mal ausgetauscht. Durch diese Eigenschaft kann sich die Leber auch nach schweren Krankheiten wieder komplett regenerieren – Herz und Nieren sind hierzu nicht in der Lage, Schäden an diesen Organen können in der Regel nicht repariert werden.

Hepatische Lipidose

Die häufigste Lebererkrankung bei Katzen, die hepatische Lipidose, wird durch ein Entgleisen des Fettstoffwechsels verursacht. Hierzu kommt es, wenn die Katze, z.B. aufgrund einer Erkrankung, nichts frisst. Um Energie zu gewinnen, werden dann die Fettdepots im Körpergewebe abgeschmolzen. Die Körperfette gelangen zur weiteren Bearbeitung in die Leber. Fluten zu viele Körperfette auf einmal an, kann die Leber sie nicht bearbeiten.
Die Fette sammeln sich in den Zellen an. Ab einer kritischen Menge behindert das Fett alle wichtigen Funktionen der Leberzellen. Es lässt die Zellen darüber hinaus gefährlich anschwellen. Wird der „Fettfluss“ in die Leber nicht gestoppt, sterben die Leberzellen schließlich ab, und es kommt zu einem tödlichen Leberversagen.
Der bedeutendste Risikofaktor diese lebensbedrohliche Leberkrise ist übrigens Übergewicht: Bei dicken Katzen entgleist der Fettstoffwechsel viel häufiger und auch schneller als bei schlanken Artgenossen. Auch aus anderen gesundheitlichen Gründen ist daher eine Abmagerungskur für dicke Stubentiger empfehlenswert. Doch darf die Katze auch nicht zu schnell abnehmen: Denn dann droht erst recht die Entgleisung des Fettstoffwechsels. Am besten lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten.