Ernährung der Katze

Geschichten über die heiklen Fressgewohnheiten unserer Katzen sind Legende, in der Regel aber ein „hausgemachtes" Problem, weil Mieze ihre Vorlieben mit brillanter Hartnäckigkeit zu verteidigen versteht – und wir nachgeben. Das muss nicht sein.

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Katzen futtern nicht auf Vorrat wie Hunde: sie sammeln als Selbstversorger die erlegten Mäuse nicht, sondern verzehren sie einzeln und ausschließlich „fangfrisch“. Als Fleischfresser verputzen sie ihre Beute mit Haut und Haaren beziehungsweise Federn. Damit sorgen sie sowohl für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Nähr- und Ballaststoffen als auch für eine gute Verdauung. Da wir „Maus natur“ und so viele winzige Mahlzeiten normalerweise nicht bieten können, folgt daraus, dass

  • bei artgerechtem Futter der Fleischanteil überwiegen muss, auch weil Katzen sehr viel tierisches Eiweiß brauchen (fast doppelt so viel wie Hunde);
  • wir die Mahlzeiten jeweils frisch servieren (also leicht Angegammeltes vom Frühstück nicht unter dem Frischen verstecken, sondern entsorgen);
  • das Futter niemals aus dem Kühlschrank, sondern handwarm gereicht wird;
  • eine erwachsene Katze mit drei Mahlzeiten pro Tag gut versorgt ist und
  • es jeder Katze durchaus zusteht, gelegentlich etwas nicht zu mögen. Wir können wählen, was wir einkaufen, eine Katze nicht. Kritisch wird es nur, wenn sie Verschiedenes ablehnt oder plötzlich kaum bis gar keinen Appetit mehr zeigt. Hier muss der Tierarzt konsultiert werden!

Ausnahmen

Für Jungtiere und Senioren gelten zusätzliche Regeln, auf die in den jeweiligen Kapiteln gesondert eingegangen wird.

Um die gleichbleibende Milchleistung eines Muttertieres zu gewährleisten, sollte (je nach Anzahl der Welpen) die tägliche Futterration das Drei- bis Vierfache betragen, aufgeteilt auf mehrere Mahlzeiten. Erst dann, wenn die Kitten anfangen, selbstständig zu fressen, sollten die Rationen Schritt für Schritt gekürzt werden. Katzenmütter benötigen außerdem sehr viel Flüssigkeit! Trächtige Katzen haben in der Regel bis zur siebten Woche einen gesteigerten Futterbedarf, erst im letzten Drittel schränken die Welpen das Bauchvolumen ein, sodass die Mutter zwar weniger, dafür aber häufiger frisst. In dieser Phase (nicht vorher) sollten auch Mineralstoffe, vor allem Calcium, zugesetzt werden.

Energie und Leistung

Artgerecht füttern bedeutet auch, die jeweiligen Lebensumstände - bzw. bestimmte Ausnahmesituationen - zu berücksichtigen. Eine Katze, die etwas „leistet“, weil sie beispielsweise im Wachstum ist, Nachwuchs erwartet, freien Auslauf genießt oder Belastungen wie Reisen oder Umzug ausgesetzt ist, benötigt ebenso eine größere Energiemenge wie eine, die generell wie ein geölter Blitz durch die Gegend düst – oder krank ist. Und logischerweise weniger, wenn sie kaum vom Sofakissen herunterkommt (was eindeutig nicht gesund ist).

Energie hat aber nichts mit „viel“, sondern mit Qualität zu tun, weshalb hochwertiges Futter dem Billigangebot vorzuziehen ist. Denn letzteres füllt zwar schnell den Magen, macht aber bald wieder hungrig und damit in der Regel auch zu dick.

Was heißt "hochwertig"?

Damit ist die perfekt auf die individuellen Bedürfnisse einer Katze abgestimmte Zusammensetzung eines Futtermittels gemeint. Falls Sie Fertigfutter verwenden, sollten Sie die Angaben des Herstellers überprüfen:

  1. Schon aus der Bezeichnung ergibt sich der wichtigste Hinweis, nämlich ob es ein Alleinfuttermittel ist oder ein Ergänzungsfuttermittel. Letzteres reicht logischerweise nicht aus, um den Bedarf zu decken, (krankhafte) Mangelerscheinungen sind die Folge.
  2. Hochqualitativ darf sich ein Alleinfuttermittel aber auch nennen, wenn zwar der Mineralstoff- und Vitaminbedarf korrekt ausgewogen ist, der Hauptanteil jedoch aus tierischen Nebenerzeugnissen besteht und der tatsächliche Fleischanteil zum Beispiel nur vier Prozent beträgt.

 

Die richtige Balance erreichen Sie am besten durch Abwechslung (nicht nur hinsichtlich des Geschmacks), wenn Sie zu gleichen Teilen Allein- und Ergänzungsfutter reichen beziehungsweise regelmäßig auch Frisches (Rindfleisch, Geflügel, Wild, Lamm, Fisch) – neuerdings als „Barfen“ wieder im Trend – oder ein bisschen selber kochen. Übrigens ...

... die Sache mit den Leckerchen

Wer seine Katze glücklich machen möchte, wird sie gern verwöhnen. Daran ist keineswegs etwas auszusetzen – solange gewährleistet ist, dass sie an den Mahlzeiten nicht herummäkelt und die Leckereien nicht überwiegen. Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Artikel "Fütterungsregeln auf dem Prüfstand". Bedenken Sie aber, dass

  1. reichliche Gaben „Hüftgold“ sind und auf die tägliche Futtermenge angerechnet werden sollten, weil Mieze, wenn es „voll angeschlagen“ hat, nicht versteht, warum sie von heute auf morgen darauf verzichten muss;
  2. ein Zuviel zwischendurch das Hungergefühl schmälert und die Katze ganz schnell heikel wird und den Inhalt ihres Futternapfes naserümpfend ignoriert in der Hoffnung, dass bei der nächsten Mahlzeit etwas Besseres nachkommt ...

 

Eine gesunde Katze, die nicht aus Langeweile oder anderen seelischen Gründen zum Frustfresser wird, wird selten mehr fressen, als sie auch verbraucht. (Christine Klinka)