Katzenallergie

Aus heiterem Himmel braut sich im hintersten Winkel des Kopfes ein unwiderstehlicher Niesreiz zusammen und entlädt sich in einer gewaltigen Explosion.

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Kaum sind die Augen wieder geöffnet, folgen schon die nächsten Attacken, Tränen treten hervor, die Schleimhäute schwellen an: Nicht jeder erlebt den Anfang seiner Katzenallergie so dramatisch. Bei Katzenbesitzern kommt sie oft ganz schleichend und verschlimmert sich urplötzlich, sodass ein harmonisches Zusammenleben mit der Katze unmöglich wird. Selbst Menschen, die nie eine Katze besessen haben, können allergisch reagieren. Etwa jeder Zehnte, der an einer allergischen Atemwegserkrankung leidet, reagiert auf das Katzenallergen „Fel d 1". Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das im Speichel der Katze vorkommt und das sie bei der Fellpflege über Haut und Haarkleid verteilt. Sobald der Speichel trocknet, entstehen feinste Schwebeteilchen und Schuppen, die sich in der Luft verteilen. Allergiker müssen daher nicht unbedingt auf eine Katze treffen, um zu niesen: Durch Kleidung und Schuhe gelangen die Allergene in Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Büchereien und Wohnungen, über deren Schwelle nie eine Samtpfote schritt.

Allergene sind überall

Die Niesanfälle können also jederzeit wiederaufflackern, selbst wenn Betroffene nicht mehr mit ihrer Katze zusammenleben. Überall ist der „Katzenstaub" verbreitet und trägt das Allergen in jede Nase. Zu Hause können noch monatelang Allergene durch den Raum schweben, obwohl die Katze die Wohnung längst verlassen hat. Die Symptome hängen allerdings bei vielen Allergikern von der Dosis ab: Je mehr Allergene sie um sich haben, desto heftiger reagieren sie. Einige Katzenbesitzer zeigten keinerlei Beschwerden, bis eine neue Katze hinzukam. Dann war sozusagen „das Maß voll", und das qualvolle Niesen begann. Sobald ernsthafte Beschwerden auftreten, wird es Zeit, sich von seiner Katze zu verabschieden – darin sind sich Allergologen einig. „Eine Katzenhaar-Allergie ist eine ernste Erkrankung, die häufig später in Asthma übergeht und dann auch lebensbedrohlich werden kann", warnt Dr. Horst Müsken von der Allergie- und Asthmaklinik in Bad Lippspringe. Er rät daher von naturheilkundlichen Methoden ab, solange deren Wirkung nicht belegt ist: „Erste Priorität hat nach wie vor das Abschaffen der Katze."

Hilfe für Allergiker

Für den akuten Anfall gibt es zwar Medikamente, die gegen Niesen, Tränen und verstopfte Nasen wirken. Diese symptomatische Therapie vermag die momentanen Beschwerden zu lindern, ändert aber nichts an der Allergie selbst. Behandeln lassen sich Allergien auf Dauer mit einer Hyposensibilisierung. Leider sprechen gerade Katzenhaarallergiker nicht immer darauf an, die Behandlung ist zudem langwierig: wöchentliche Spritzen über mehrere Monate. Auch bei einer solchen Behandlung ist es zumindest vorübergehend unvermeidlich, sich von der Katze zu trennen, denn die Hyposensibilisierung ist schwer durchzuführen, wenn in der Wohnung weiterhin viele Allergene umherschweben. Der Patient soll ja ganz langsam wieder an Katzen gewöhnt werden, er muss also anfangs minimale Dosen des Allergens erhalten. Zusätzliche Maßnahmen zur Allergenreduzierung in der Wohnung (s. u.) können dabei nicht schaden. Außerdem ist die konsequente Vermeidung des Allergenkontaktes wichtig: keine Katze, keine Besuche bei Katzenbesitzern und viel frische Luft.

Tipps zum Vorbeugen

Besitzer, die keine Allergie gegen ihre Katze zeigen, aber im Hauttest auf Katzenhaare reagieren, können durch einige Maßnahmen die Allergenbelastung in ihrer Wohnung verringern. Dabei bieten sich drei Angriffsflächen, um den allergieauslösenden Partikeln Paroli zu bieten:

  • Bekämpfen Sie die Entstehung der Allergene an der Katze:
    Katzen, die geduldig und brav sind, kann man einmal wöchentlich baden. Einfacher dürfte jedoch das Auftragen einer antiallergenen Reinigungslösung sein. Fragen Sie dazu am besten Ihren Tierarzt. Freigängerkatzen haben weniger Gelegenheit, ihre Allergene in der Wohnung zu verteilen, können jedoch leichter an einer Infektionskrankheit wie FIV oder FIP erkranken. Reine Wohnungskatzen sind ohnehin kaum noch an ein Leben vor der Tür zu gewöhnen, hier sollten Sie also vorsichtig sein.
  • Fangen Sie die Allergene ab, die in der Luft zirkulieren:
    Luftreinigungsgeräte mit Mikrofilter und Luftbefeuchter können den Anteil der Allergene in der Raumluft verringern. Bei manchen Geräten besteht allerdings die Gefahr, sich Schimmelpilzsporen einzuhandeln, die ebenfalls sehr potente Allergene sind. Achten Sie deshalb auf Empfehlungen der Beratungsstellen
  • Entfernen Sie den Staub, der sich auf Teppichen, Möbeln und Wänden ansammelt:
    Ein feuchtes Tuch und ein Mikrofilter-Staubsauger können hier gute Dienste leisten. Durch häufiges Wechseln der Bettwäsche und die Verwendung von speziellen Matratzenhüllen, sogenannten Encasings, können sich weniger Allergene ansammeln. Das Versprühen verdünnter Tanninlösung soll in der Lage sein, die Allergene unschädlich zu machen. Bei größeren Mengen an Katzenallergenen ist die Lösung jedoch kaum noch wirksam, außerdem können sich die Farben von Möbeln und Teppichen verändern. Ein tanninhaltiges Präparat namens „Tre-San" ist über Apotheken erhältlich. Es ist allerdings in erster Linie zur Bekämpfung von Allergenen der Hausstaubmilben gedacht und enthält daher auch Benzylbenzoat gegen die Milben. Katzen vertragen dieses Mittel nicht, daher sollten Sie es nur anwenden, wenn Sie keine Katze mehr halten.

Für alle diese Maßnahmen gilt: Einzeln bringen sie wenig, zusammen und konsequent angewendet können sie jedoch etwas bewirken. Besonders wichtig ist es, die Katze konsequent vom Schlafzimmer fernzuhalten, auch wenn sie sich noch so gut als Bettwärmer eignet. Nur dann kann sich der Mensch von den Allergenen erholen, die ihn tagsüber traktieren. (Dr. med. vet. thomas Görblich)