Wenn die Katze stirbt

Unsere Zeit entwickelt ein neues Bild der Tiere. Erstmals gestehen Wissenschaftler auch nichtmenschlichen Lebewesen eine Seele zu. Das hat Folgen für Tier und Mensch. Eine davon: Der letzte Abschied voneinander kann leichter werden.

Foto: Dan Brandenburg / iStockphoto

Mit bewegten Worten trauerte der Manager um den Freund: „Wir haben uns gestritten, beleidigt, die Zähne gezeigt; wir haben uns verstanden, akzeptiert und geliebt, wir haben aufeinander aufgepasst und hielten gegenüber Dritten zusammen.“ Hans Brunnengräber, einst im Vorstand der Magirus-Deutz AG, schrieb das schon 1978 zum Abschied von seinem Dackel Josef (15): „Der Tod eines kleinen Hundes hat etwas bewirkt. Er war in meinem Leben der Garant für viele kleine Freuden. Denn nicht die großen Ereignisse unseres Lebens machen es aus, ob wir glücklich sind und froh.“ Damals galt das als „anthropomorph“: Ein Tier wurde vermenschlicht, für Biologen ein absolutes Tabu.

Wissenschaftler entdeckten in der Natur die neue Wahrheit

Heute gesteht eine ganze Forschungsrichtung, die damals in Tieren nur besonders hoch entwickelte Automaten sah, gesteuert allein von Reflexen, Trieben und Instinkten, Mensch und Tier das Gleiche zu: Bewusstsein und Seele. Den Weg dazu wiesen vor allem die Verhaltensforscher. Ethologen, die tierisches Leben nicht mehr im Labor sezierten, sondern in der Natur beobachteten, wagten diesen Schritt. 
„Das Ergebnis meiner jahrelangen Analysen des Pavianverhaltens war, dass ich mich immer wohler fühlte, menschliche Begriffe und Vorstellungen auf die Paviane zu übertragen“, sagt zum Beispiel die Primatenforscherin Shirley Strum. Genau wie sie hat auch die Schimpansenkennerin Jane Goodall die Scheu vor der Kritik konservativer Kollegen abgelegt. Sie fordert inzwischen sogar Menschenrechte für ihre Tiere. Und in Deutschland antwortet als einer von vielen der Biologe Immanuel Birmelin positiv auf die Frage: Haben Tiere ein Bewusstsein?

Auch Tiere haben eine Seele

Endlich vorbei die mittelalterliche Lehre des Philosophen René Descartes (1596–1650), die bis in unsere Zeit hinein die Biologie und Zoologie unselig geprägt hat. Unbeseelte Kreaturen, automata, Maschinen waren ihr die Tiere. Bei vielen Tierversuchen spielt dieser Geist scheinbarer Wissenschaftlichkeit noch seine Rolle als Mittel gegen Mitleid, Angst und Ekel vor dem eigenen Tun. Da zählt der Tod eines Tiers nur als statistische Größe. Für eine stetig wachsende Zahl von Menschen aber bedeutet er tiefes Leid.

In der Entdeckung der Seele liegt der Trost

Und das macht die sich vollziehende Wende so bedeutsam. Jetzt stehen nicht nur verspotteter Irrglaube, fragwürdige Esoterik oder bestenfalls Mitgefühl dem Menschen zur Seite, der am Verlust eines Tieres leidet. Sein Glaube an dessen Bewusstsein und seine tiefe Beziehung zu ihm wird jetzt aber auch, tatsächlich objektiv, durch die Wissenschaft gestützt. Die Weltreligionen, erste Quelle des Trosts für viele, hatten ohnehin dem Tier nie den dem Menschen gleichberechtigten Status als Geschöpf Gottes abgesprochen. Den Buddhisten steht der Himmel auch für Hunde, Katzen oder Schmetterlinge offen. Im jüdischen Glauben sind Menschen, Tiere und jeder Halm vom Geist beseelt, und jeder Geist kehrt heim zu seinem Schöpfer. Christen sind sich da nicht so sicher: Zwar können Tiere in den Himmel kommen, nicht um ihrer selbst willen, sondern dem menschlichen Gefährten zur Freude. Über ein eigenes Paradies für Tiere schweigt die Bibel.

Verhaltensmodelle sind entstanden und werden anerkannt

Dazu kommt noch der Pragmatismus unserer Zeit: Trost beim Tod eines geliebten Tiers ist inzwischen auch eine Ware. Das lässt sich beklagen, aber das ändert nichts an dessen Bedeutung und Wert. Wer sich vor Kurzem noch allein gelassen fühlte beim Verlust eines vierbeinigen Gefährten, kann sich heute auf ein immer mehr anerkanntes Verhaltensmodell stützen. Das ist wichtig: Jede Situation lässt sich leichter durchstehen, wenn es dafür ein Vorbild gibt. Immer mehr Tierfriedhöfe (in vielen anderen Ländern schon seit Jahrhunderten, bei uns erst seit Kurzem) bieten die Bühne und ein Forum für diese Art der Schmerzbewältigung. Die anfängliche Hoffnungslosigkeit findet einen Ort, an dem sich in die tiefe Trauer die schöne Erinnerung mischen kann. Beim Tod eines lieben Menschen ist das nicht anders. „Aus meiner tiefen Trauer ist ein sanfter Schmerz geworden, seit ich weiß, dass meine kleine Netty ein Plätzchen hat, das ihr gefallen hätte“, sagt Bärbel Frohder (48) aus Hamburg. Sie hat ihre Katze in Norderstedt beerdigen lassen. Den Tierfriedhof in der Wellingsbütteler Straße besucht sie immer wieder. Und sie pflegt „Nettys letztes Körbchen“. Das ist keine „Trauerarbeit“. Trauern hat nichts mit Arbeit zu tun, keine Aktivität, keine Leistung ist gefragt. Trauern hat vielmehr mit Nichtsmachen, einem Loslassen zu tun. Nicht das Äußerliche, das Aktive, in diesem Fall auch die Grabpflege, zählen, sondern das Innerliche, der Weg in die eigene Seele.

Ein totes Tier erinnert immer auch an die eigene Sterblichkeit

Dennoch hat die „Arbeit“ auf dem Friedhof ihren Sinn. Sie ist ein Ritual, ein Verhaltensvorbild, das allein schon deshalb Kraft gibt. Trauerarbeit aber ist dies nicht: Es ist nur die Schaffung äußerer Umstände, die es dem Betroffenen leichter machen, seinen Verlust zu fassen, das Chaos seiner Gefühle wieder zu ordnen. 
Sterben und Abschied schieben wir Sterblichen in unserer Zeit immer weiter weg von uns. Angst vor dem eigenen Ende steckt dahinter. Auch der Tod eines geliebten Tiers erinnert uns drohend daran.

Mit Trauer verbinden Menschen viele Gefühle

Trauer besteht also zum einen aus dieser Furcht, zum anderen aus Gefühlen wie Verlust, Ohnmacht, des Schmerzes, der Verlassenheit und manchmal auch der Anklage, der Schuld und der Wut. Und sie löst Emotionen und Aktionen aus. Das Zentrum der Trauer erreicht nichts davon: Der Verlust ist unwiederbringlich. Trost findet sich allein in einem schwierigen inneren Prozess, den der Trauernde meist allein bewältigen muss. Dabei können Freunde und Angehörige helfen, „Trauerbegleitung“ nennt man das. Wer mit seinem Hund auch den treuen Gefährten vieler Jahre verliert, muss zuerst das Schwerste lernen – dass dieser Verlust tatsächlich geschehen ist. Dabei helfen Gespräche, Ausflüge in die schöne, gemeinsame Vergangenheit. Es hilft aber auch Zuspruch, alle aufbrandenden Gefühle zuzulassen: Schuld, Wut und Tränen gleichermaßen. Daneben genauso die Erinnerung an eine ererbte Pflicht dem toten Tier gegenüber: das eigene Leben so fortzuführen, als wären beide noch zusammen. Je eher die neue Rolle gefunden ist, umso schneller wird aus tiefer Trauer der ersehnte sanfte Schmerz.
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Ein neues Tier ist kein Ersatz, sondern der Beginn einer neuen Beziehung

Und dann das Wichtigste: allmählich die Bereitschaft zu einer neuen Beziehung zu akzeptieren. Ganz klar: Kein kleiner Welpe kann auf Anhieb den Freund langer Lebensjahre ersetzen. Doch kann er die Trauer lindern, kann dem Menschen helfen, sich emotional vom toten Tier und vom gemeinsamen Leben zu lösen und dessen Verlust leichter zu akzeptieren. Wer die Seele eines Tiers erlebt hat, wird ohnehin in der eigenen Seele Platz für viele Freunde finden. Und er kann sich trösten wie der chilenische Nobelpreisträger Pablo Neruda (1904–1973). Der schrieb über seinen toten Hund:  Ich begrub ihn im Garten neben einer alten Maschine. Aber ich glaube an einen Himmel, in den ich nicht komme, doch wo er mich erwartet, den Fächerschwanz schwenkend, damit es mir bei Ankunft nicht an Freundschaft fehle. (Peter Wolffen)

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