Warum Katzen schmollen

Die Gründe könnten unterschiedlicher nicht sein, so auch die Art des Schmollens. Die einen rächen sich, die anderen suchen sich neue Menschen, und die nächsten verweigern das Fressen.

Foto: Eimantas Buzas / iStockphoto

Normalerweise hörte Doris Setzepfandt beim Heimkommen ihren Herzenskater Charly den Flur entlang sausen, um sie zu begrüßen. Doch als sie sich nach einer Weihnachtsfeier um Stunden verspätet hatte, fand sie den Kater beim Öffnen der Tür mitten im Flur sitzend.
Er saß mit dem Rücken zur Tür, die personifizierte Gekränktheit. „Er schien förmlich zu zerfließen vor Beleidigtsein“, erinnert sie sich. Natürlich wollte sie ihn sofort trösten, aber das Katerchen drehte ihr den Rücken zu, egal von welcher Seite sie versuchte an ihn heranzukommen. Mantel aus, Schuhe aus und Herzenskater auf den Arm nehmen, war dann Momentsache. "In unserer Schmuseecke hab ich ihm dann erzählt, warum ich so spät erst heimgekommen bin." Nicht so leicht davon gekommen ist Marcus Steuckardt. Seine beiden Stubentiger Wotan und Fenrir straften ihn nach einer Wochenendreise ab, indem sie ihr Herrchen bei der Heimkehr weder begrüßten, ihm gezielt aus dem Weg gingen und sich erst über ihr Futter hermachten, wenn er die Küche wieder verlassen hatte. Es dauerte, bis der Normalzustand wieder hergestellt war. Bei den Vietens erfolgte die Strafe für ihren zweiwöchigen Segeltörn nicht sofort. Bei der Heimkehr schien alles noch in Ordnung, sie wurden wie immer von ihrer Katze freudig begrüßt: ohne Einschränkung, keine demonstrative Zurückhaltung, sondern mit viel Schmusen und Schnurren. Jeder Leckerbissen wurde freudig angenommen. Die Reaktion auf das Verlassenwerden kam erst am Tag darauf. Das Katzenfrühstück stand bereit, aber keine schwarze Hexe weit und breit. Nicht im Haus, Keller oder Garten. „Es war wie verhext,“ beschreiben sie die damalige Lage. „Der Abend rückte näher, die Erholung schwand, bis sie mit einem Mal mitten im Raum stand, mit einem Blick, als wollte sie sagen: Seht ihr, so ist es mir auch ergangen. Lektion gelernt?“

Abschiedszeremonie gegen Sehnsucht

Auch Molly kann es nicht leiden, dass Frauchen Rita Gerber die Wohnung verlässt. Die schwarz-grau gestreifte Tigerkatze holt dann all ihre Spielsachen aus der Kiste und verstreut sie in der ganzen Wohnung und pinkelt dann auch noch genau neben die Klokiste. Klar fällt die Begrüßung aus. Doch seitdem die beiden angefangen haben, eine Abschiedszeremonie von rund fünf Minuten zu praktizieren, „ist bei der Rückkehr alles paletti“.

Katzen wollen in unser Leben mit eingebunden werden

Der rabenschwarze Kater Mickey und Tiger Snoopy waren gut versorgt durch einen Catsitter, als ihr Frauchen Karenina Krienetzki-Schweikert zur Kur musste. Das Theater ging erst los, als sie zurückkam. Kaum war sie zur Tür heraus, saßen die beiden hinter der Tür und schrieen im Chor, bis sie wiederkam. Und ab sofort wollten sie keine Streicheleinheiten mehr. Bei ihren Annäherungsversuchen haben die beiden sofort gebissen und gekratzt. Und das Bett hatte sie fortan alleine. Es dauerte, bis alles beim Alten war. Miezepeter und Bärle, zwei junge Streunerkater (und Brüder aus einem Wurf), durften mit in das alte Bauernhaus von Familie Pötzsch einziehen. Als Annedore Pötzsch nach einem Unfall gut drei Wochen im Krankenhaus lag, waren die beiden ständig auf der Suche nach ihr. Nach ihrer Rückkehr dachte ich, ihre Kätzchen würden sich freuen, sie wiederzuhaben, aber weit gefehlt. Während Bärle doch näher kam, machte Miezepeter den Miesepeter und ignorierte sie. Drei Wochen lang musste sie um seine Gunst buhlen. „Katzen wollen eben in das tägliche Leben und alle Abläufe eingebunden werden“, ist Frauchen Annedore Pötzsch überzeugt. Nicht allein Stubentiger kränkt die Abwesenheit der vertrauten Person. Selbst der Straßenkater namens Hallo-Kater nahm seiner Ernährerin Edeltraud Görgen ihre mehrwöchige Abwesenheit ganz offensichtlich übel. Als sie nach einem längeren Krankenhausaufenthalt zurückkam, ließ der schwarz-weiße Kater sich nicht mehr streicheln, zuckte erschreckt zurück und wollte sie sogar kratzen.

Panik vor dem Alleinsein

Ute Feucht ist überzeugt davon, dass ihre kluge Mandy unterscheiden kann, ob sie sie just for fun allein lässt oder notgedrungen. Es war ihr schnell klar, dass die Katze auf jedes längere Alleingelassensein mit Panik reagierte. Nach spätestens drei Tagen frass sie dann nichts mehr. Die völlig aufgelösten Catsitter mussten Ute Feucht jedesmal früher aus dem Urlaub oder von Fortbildungen zurückrufen. Doch als ihr Frauchen vor drei Jahren ins Krankenhaus musste und nach sechs Wochen endlich wieder heimkam, war da kein Schmollen, sondern reine Freude. Sie schoss an Ärztin, Catsitter und Sanitäter vorbei, stellte Ute Feucht ihre Vorderpfoten auf die Schultern und gab Küsschen und zarte Bisse in die Wangen. Und die nächsten Monate passte sie unheimlich gut auf ihr krankes Frauchen auf.

Pinkeln bei Kummer

Kater Mizzi benahm sich 14 Jahre lang nie daneben, er hatte (und hat) auch immer die Wahl zwischen draußen und seiner Katzentoilette im Haus. Aber auf einmal ist alles anders. Als Frauchen Anneliese Fuchs innerhalb von sieben Monaten zweimal ins Krankenhaus musste, ließ er sie anschließend nicht mehr aus den Augen. Und sobald sie sich nun nicht genügend um ihn kümmert, pinkelt er jetzt einfach irgendwo ins Badezimmer. Einmal war er unzufrieden mit einem Besucher, hatte schon dauernd gemeckert, und als sie am Abend ins Bad ging, folgte er ihr und pinkelte vor ihren Augen doch glatt in die Ecke. Ein anderes Mal, nachdem sie einen Tag lang weg gewesen war, das gleiche Zeremoniell: Der Kater geht mit ins Bad, setzt sich prompt in die andere Ecke und pinkelt. Deutlicher könnte Mizzi sich nicht ausdrücken.

Luckys Rachefeldzug

Luckys Ausrutscher war einmalig. Nein, im Grund genommen war es gar kein Ausrutscher, sondern ein unglaublicher Rachefeldzug. Als der Kater noch klein war, lief er jedem Besucher freudig und neugierig entgegen, so auch dem Schwager seines Frauchens Claudia Heinzel. Dieser machte sich aber jedes Mal einen Spaß daraus, den kleinen Kerl mächtig zu erschrecken, indem er laut in die Hände klatschte. In den Folgejahren strafte Lucky den Schwager verständlicherweise mit Missachtung. Acht Jahre später kam dann der Tag der Abrechnung, als der Schwager von einer Motorradtour zu Besuch kam. Claudia Heinzel schildert die Tat: „Er kam in die Diele und warf seine Motorradjacke achtlos auf den Boden. Sofort kam mein Kater, beroch die Jacke, lief darauf herum, setzte sich nieder und machte sein kleines Geschäft, wobei er meinem Schwager in die Augen schaute. Sodann stand er auf und ging mit erhobenem Haupt gemächlich weg. Wir trauten unseren Augen nicht, denn Lucky hatte noch nie irgendwohin gemacht, geschweige denn in oder auf Sachen von Besuchern.“ Übrigens hat Lucky nie wieder Anstalten gemacht, seine Aktion zu wiederholen.

Katzen vergessen nie ...

So einen langjährigen persönlichen Groll hegte auch Hauskater Rocky, ein prachtvoller zehnjähriger Tiger. Die Mutter von Frauchen Edith Nebel hatte ihn einst putzenderweise von seinem Rückzugsplatz hoch oben im Wohnzimmerschrank vertrieben. Das hat er ihr ein Leben lang übel genommen, weiß seine Katzenbesitzerin: „Wenn sie zu Besuch kam, brauchte er nur ihre Stimme zu hören, zack, war er verschwunden und tauchte erst wieder auf, wenn sie nachweislich das Haus verlassen hatte. Selbst wenn meine Mutter im Sommer zwei Wochen lang zum Katzenfüttern kam – unsere beiden anderen Katzen ließen sich knuddeln und streicheln, doch Rocky sah sie nie. Zu allen anderen Menschen ist Rocky immer freundlich.“ Ganz schön sauer können Miezen auf ein neues Ambiente und neue Spielgefährten reagieren.

Eine neue Umgebung kann verunsichern

Kater Willi biss sein Frauchen Richa Tatum sogar in den Po, nachdem sie ihn nach dem Umzug innerhalb Berlins zu einem anderen (näheren) Tierarzt gebracht hatte. Willi war über den lieblosen Check-up dort so schockiert, dass er weder nach Hause wollte und anschließend einen Tag so sauer war, dass ihm das Schmusen vergangen war. Klar geht Richa Tatum mit ihm jetzt wieder zur guten altbewährten Tierarztpraxis, auch wenn der Weg dorthin viel weiter ist. Es hat ganze drei Monate gedauert, bis die schwarze Dodo sich mit dem Umzug abgefunden hatte. Anders als ihre getigerte Mitkatze äußerte sie ihr Missfallen an der neuen Umgebung und dem neuen Bett mit vielen Pfützen. Die erste machte sie gleich in das Bett: "Ich gehe abends schlafen und springe auch gleich wieder aus dem Bett: Nass", erinnert sich Dagmar Olberg an diese schreckliche Zeit. Jeden Morgen fand sie einen neuen Fleck, sorgsam neben die vorherige Stelle gesetzt, auf den Brücken im Korridor, auf dem Teppichboden im Wohnzimmer, oder Dodo benutzte Schuhe statt der Katzentoilette.

Eine zweite Katze zieht ein

Lange Zeit unverzeihlich fand Muschi, dass man ihr einen jungen Kater vor die Nase gesetzt hatte. Es sollte ein Spielgefährte für die neunjährige verschmuste Hauskatze werden, aber der junge Kater, den die Tochter mitgebracht hatte, entpuppte sich als Haustyrann und nervte Muschi. Sie ging ihm daraufhin nicht nur ständig aus dem Weg, sondern änderte auch ihr Verhalten Karin Königshagen gegenüber. Sie ließ sich nicht mehr streicheln. Stets hatte sie einen Ton von sich gegeben, wenn sie auf den Schoß sprang oder auf die Couch neben sie, es war eine Aufforderung zum Schmusen. Auch dieser Ton blieb weg und dann suchte sich Muschi sogar noch neue Menschen auf der anderen Straßenseite. Nach diesem Alarmsignal beschäftigte sich Karin Königshagen noch intensiver mit Muschi – es dauerte, aber hatte Erfolg: Muschi wurde sogar noch anhänglicher als vorher.

Von Eifersucht geplagt

Affus war ein verwöhnter Kater, der partout nicht allein gelassen werden wollte. Jedes Mal saß er jaulend am Fenster und schrie die ganze Nachbarschaft zusammen. Darum bekam er Gesellschaft durch Baby, eine vier Monate alten Kartäuserin. Affus liebte die Kleine von Anfang an. Aber er war auf einmal nicht mehr der Alte. Er wollte nicht mehr spielen mit Familie Ackel. Sobald sich jemand mit Baby beschäftigte, drehte Affus beleidigt ab und wurde den ganzen Abend nicht mehr gesehen. Erst als die Familie ihm besonders viel Aufmerksamkeit schenkte, ihn zuerst begrüßte und viel mit ihm spielte, taute er wieder auf. Nach fast sechs endlos langen Monaten war er wieder der altvertraute Wildfang und tobte wieder mit Begeisterung durch die Wohnung.
Siamkatze Jeannie bekam einen Spielkameraden, ein zehn Wochen altes rotes Katerle, den Peterle. Doch anfangs wollte sie mit ihm nichts zu tun haben, sie ohrfeigte ihn und war eifersüchtig. Ihre Empörung war grenzenlos, als der Rotschopf, um ihn vor Jeannies Attacken zu beschützen, dann auch noch im Bett von Frauchen Gisela Plopa schlafen durfte. Klar, dass sie gleiches Recht für sich beanspruchte. Als es ihr verweigert wurde, würdigte Jeannie sie keines Blickes mehr. So lange, bis Gisela Plopa um des lieben Friedens willen nachgab. Obwohl sie nun Schwierigkeiten beim Schlafen hatte, herrschte "Friede, Freude, Eierkuchen", atmete Gisela Plopa auf. Schließlich verließ Peterle von sich aus diesen Schlafplatz, und siehe da, Jeannie ging mit ihm.

Katzen können nachtragend sein

Maine-Coon-Kater Micky ist jedesmal beleidigt, wenn Frauchen Stephanie Oswald ihre Beine auf ein Kissen hochlegt. Er sitzt auf den bloßen Fliesen und schaut sie vorwurfsvoll an, weil er dann nicht seinen gewohnten Platz auf ihren Beinen einnehmen kann. Kater Hannibal straft sein Frauchen Katrin Kovanah mit Missachtung seit dem Zeitpunkt, als ihr Herrchen, ein Tierarzt, von einem Notfall zwei Kätzchen mit nach Hause brachte und Frauchen Katrin Kovanah die beiden Kätzchen mit der Flasche aufzog. Und das ist immerhin schon sechs Jahre her. Julchen, eine dreifarbige Tigerkatze, betrat nie wieder das Schlafzimmer von Frauchen Bettina Weidle-Loris, nachdem ihre Tochter Cara das Bett als Kinderstube benutzt hatte. Verschiedene Stufen des Beleidigtseins beobachtet Christa Schmidt bei ihren Norwegischen Waldkatzen: Der Große mag nicht am hinteren Teil gekämmt werden, danach verschwindet er grollend außer Sichtweite, aber nur für ein paar Minuten. Schlimmer ist der Tierarztbesuch, der hat mindestes eine Stunde Ignorieren zur Folge, da hilft kein Rufen oder Locken. Am schlimmsten ist es nach dem einwöchigen Urlaub. Mindestens ein paar Stunden lassen sie sich nicht streicheln. Die rettende Idee: Nun werden sie durch Herausholen des Leinengeschirrs ausgetrickst, da vergessen sie vor lauter Freude ihr Beleidigtsein. Denn es gibt nichts Besseres für sie als Spazierengehen.

Lillys feines Gespür

Außergewöhnlich war Lillys Reaktion. Wohl deshalb, weil Lilly eine besonders feinfühlige Katze mit einer schlimmen Vergangenheit ist. Als sie zu den Assmanns kam, teilte sie ihre Zuneigung ganz gerecht zwischen den Eheleuten, tagsüber war sie Fraule-Katze, die Nacht schlief sie beim Herrle im Bett. Aber ab dem Abend, an dem das Herrle seiner Frau eröffnete, sie und Katze Lilly müssten sich eine neue Bleibe suchen, war die Katze wie verwandelt. Sie schlief nicht mehr bei ihm im Bett und ließ sich von ihm nicht mehr anfassen, kratzte und biss ihn sogar. "Bei einem Kind würde man sagen, die Mutter hätte es negativ beeinflusst – aber bei einer Katze?", staunt Gisela Assmann über ihre Lilly.

Wann wird geschmollt?

Das verraten die Auswertungen Ihrer Antwortbriefe: 

  • Zwei Drittel der „beleidigten Leberwürste“ waren Kater, nur ein Drittel Kätzinnen.
  • Als häufigste Gründe für Schmollen und Grollen wurden längere Abwesenheiten der Besitzer durch Krankheit und Kuren angegeben.
  • Fast genauso viele Stubentiger haben laut den Briefen sauer auf einen neuen Spielgefährten reagiert.
  • An dritter Stelle wurden kurzzeitige Abwesenheit bzw. Urlaub genannt, an vierter ein neuer Tierarzt.
  • Umzug und Tierarztbesuch hatten am seltensten eine miesepetrige Katze zur Folge.

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