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Vertrauenssache!

Im Abstand von sechs Wochen wurden die Kätzinnen Baby und Nike zum ersten Mal Mutter. Ängstlich um den Nachwuchs besorgt, versuchte Heidi Larcher ihre beiden Huskies vom Geschehen fernzuhalten. Doch bald zeigte ihr Cherokee, dass dazu keinerlei Grund besteht. Und so schauten bald auch zwei Hunde über den Rand der Geburtskiste. Hier der ungekürzte Bericht der Tierfreundin.

Am 12. Mai, genau an ihrem eigenen Geburtstag, begann Baby um fünf Uhr früh mit der Geburt. Wir waren sehr nervös, weder Mensch noch Tier hatten Erfahrung auf diesem Gebiet, ich jedenfalls fühlte mich ziemlich hilflos. Baby ließ sich Zeit mit dem „Kinderkriegen“ und schließlich ging ich mit meinen Hunden die Morgenrunde. Auf dem Rückweg läutete mein Handy und meiner 18-jährige Tochter kreischte aus dem Lautsprecher: „Das erste Baby ist da, was soll ich tun ???“

Da ich ebenso ahnungslos war, rief ich unseren Tierarzt an und ließ mir von ihm die nötigen Handlungen erklären. „Falls die Katze das nicht selber tut muss man die Nabelschnur in der Mitte zwei Mal abbinden und dazwischen durchschneiden“ etc. Als wüssten meine Huskies, was zu Hause los war, steigerten sie die Geschwindigkeit.

Daheim angelangt, hetzten wir ins Wohnzimmer und kamen gerade rechtzeitig um die Nachgeburt zu erleben. In meiner Unerfahrenheit hielt ich die Plazenta zuerst für ein totes Kätzchen und bekam noch mehr Angst, erst beim genaueren Hinsehen fiel mir der Ausdruck „Mutterkuchen“ ein. Wieder ein Anruf beim Tierarzt, was damit zu tun wäre. Seine Antwort „wenn die Katze es nicht frisst können sie es wegwerfen.“ Die Katze fraß es nicht.

Dann kam das zweite Kätzchen und ich war ergriffen: obwohl klitschnass, war doch der kleine Körper im braun getigerten Fell zu erkennen bevor die Mama damit begann, das Kleine abzuschlecken. Dieses Mal biss sie auch selber die Nabelschnur durch, an der Plazenta knabberte sie allerdings wieder nur ganz wenig, dann kümmerte sie sich ausführlich um ihre beiden Jungen. Die erste Geburt war ausgestanden.

Cinny hatte den vorbereiteten Geburts-Wäschekorb im Wohnzimmer auf die Couch gestellt. Während Baby ihre Jungen zur Welt brachte und wir fasziniert zuschauten und halfen, kamen immer wieder, ganz vorsichtig, zwei Hundenasen in den Wäschekorb und wurden von uns zwar liebevoll, aber unnachgiebig, weg geschoben. Ich hatte kein Vertrauen zu den beiden Huskies, immerhin waren die kleinen Kätzchen mit ihrem nassen Fell täuschend ähnlich den Mäusen, welche die Hunde oft auf den Wiesen ausgruben und fraßen. Also ging ich lieber kein Risiko ein, die Schachtel mit Mutter und Kindern landete auf meinem Schreibtisch. Den Zutritt von vorne verbarrikadierte ich mit dem Drehstuhl und anderen Möbeln. Keine Chance für Chero und Cash von oben in den Korb hinein zu kommen.

Das Anschauen war allerdings möglich und sie standen auch oft dort, die Vorderpfoten auf der Sessellehne, der Hals ganz lang, der Blick gebannt von den kleinen beweglichen Kätzchen, die sogar Geräusche machten.

Ich arbeitete daran, den Huskies verständlich zu machen, dass man die Kätzchen nicht fressen und auch nicht davon abbeissen durfte. Wenn wir den Korb zu uns auf die Couch holten trainierten wir  mit den Hunden „Katzenbabies richtig behandeln“. Ich hielt ein Baby einem Hund vor die Schnauzu und er durfte daran schnuppern, dann leckte er sich selbst über die Nase und über das Katzerl, wo er es gerade erwischte, und dann schaute er schnell weg. Lustig war zu beobachten, wenn einer der Hunde den Kopf über den Korbrand steckte schaute ihn die Mamakatze warnend an, der Hund leckte sich beschwichtigend über die Nase woraufhin sie zufrieden war und er weiterschauen durfte. Trotzdem war das Zusammengewöhnen aber eine sehr verkrampfte Angelegenheit weil ich ständig Angst hatte, die Hunde würden ernsthaft zuschnappen.

Faszination oder Beuteblick?

Als die Kleinen drei  Wochen alt waren fand ich „da Vinci“ das
erste Mal außerhalb des Korbes auf meinem Schreibtisch, es war klar: die Babys erforschten die Welt -  und die Hunde erforschten die Babys. Sobald eines auf dem Boden herumkrabbelte waren Cash und Chero auch da, schwanzwedelnd folgten sie mit der Nase am Boden klebend dem Weg des Katzenjungen. Ich versuchte ihren Gesichtsausdruck zu deuten, war es Faszination oder der „Beuteblick“ ?  war mir aber überhaupt nicht sicher und daher sehr misstrauisch und wachsam, immer auf dem Sprung um einzugreifen falls es nötig würde.

Einige Tage später arbeitete ich nachmittags im Garten hinter dem Haus als ich plötzlich den entsetzten Schrei meiner Tochter hörte: „Schnell Mama! Komm!“ Ich hob den Kopf - da standen die beiden Huskies, einer davon, Chero, hatte etwas Kleines, Dunkles in der Schnauze und legte es gerade ins Gras. Mein Atem stockte: das war „da Vinci“, der kleine Babykater. In langen Sprüngen raste ich zu Chero, bückte mich, legte schützend meine Hände um das kleine braune Fellbündel und hob es hoch – erstaunt realisierte ich dass es noch lebte, und dass es nicht einmal nass geworden war! Nur zwei winzige feuchte Stellen zeugten davon, wo der Hund das Katzenbaby getragen hatte, sonst nichts. Der Kleine hatte höchstens einen Schock, aber jedenfalls keine Verletzung. Er schaute mich an und bewegte sich auch. Vorsichtshalber ignorierte ich die Hunde erst einmal, um sie nicht darin zu bestärken, die Katzen in den Garten zu tragen, und ging mit dem Kätzchen direkt hinauf  in die Wohnung. Chero und Cash folgten mir auf dem Fuss, Chero schaute mich mit erhobenem Kopf und wachem Blick an, als würde er etwas von mir erwarten, also streichelte ich ihn und lobte ihn dafür, dass er das Kätzchen nicht gefressen hatte.

Ich grübelte über den Zweck des „Katzenbaby-Bringens“, denn hätte Chero das Kleine loswerden wollen, hätte es es gleich vornedurch die Gartentür auf die Strasse werfen können. Es musste eine besondere Bedeutung haben, dass er es zu mir in den Garten getragen hatte. Die Erkenntnis traf mich am nächsten Tag: Der Hund wollte mir zeigen, dass ich ihm vertrauen könne – er würden den Babies nichts antun.
Also entsorgte ich mein Misstrauen geistig und beschränkte mich auf Beobachten. Was ich sah war wunderschön.

Die Zeit verging und 3 Wochen später um ein Uhr nachts begannen die Wehen bei  Nike. Die Wurfschachtel stand neben mir im Bett, wir waren eingeschlafen als Nikes leises Miauen die Geburt ankündigte und uns weckte. Das erste Baby war ganz schnell da, Nike biss die Nabelschnur durch und während sie das kleine nasse Fellbündel ableckte, begannen die Wehen für das zweite Kätzchen. Plötzlich stockte der Vorgang, ich sah semmelblondes Fell auf Hinterbeinchen und erschrak, das war eine „Steißlage“. Was tun? Ich zog ganz sanft an dem kleinen Körper, hatte aber entsetzliche Angst einen der beiden zu verletzen. Offenbar tat es Nike auch tatsächlich weh, denn sie sprang aus der Wurfschachtel übers Bett und hinunter auf die Matratze neben dem Bett, auf der normalerweise ein Hund schlief. Jetzt allerdings nicht, denn auch die Huskies waren aufgewacht und beobachteten uns aufgeregt. Nike landete heftig auf der Matratze und dabei plumpste das Kätzchen heraus. Während ich erleichtert aufatmete, stellte ich blitzschnell die Wurfschachtel neben Nike und hob sie und ihr Baby hinein. Die Huskies kamen sofort und steckten ihre Nasen über den Schachtelrand. Ich verhielt mich abwartend, da begann Nike zu schnurren und rieb ihr Köpfchen an Cashies Schnauze, bevor sie sich wieder um ihre Babies kümmerte. Es war eindeutig, die Katze wollte die Hunde dabei haben. Als das dritte Kätzchen geboren wurde, schauten die beiden Huskies aufmerksam zu, und nachdem die Mutter die Nabelschnur durchgebissen hatte, durften die Hunde die Kleinen ablecken.

Vertrauen ganz ohne Grenzen

Ginny und ich waren total ergriffen, diese Geburt war ein sehr besonderes Erlebnis. Vielleicht ist es Liebe, was diese Tiere füreinander – und für uns – empfinden, aber auf jeden Fall zeigt es grenzenloses Vertrauen in den anderen.  Ich glaube nicht, dass menschliche Worte diese Empfindungen beschreiben können, aber das ist auch nicht notwendig, wichtig ist, dass es es tatsächlich so ablief und dass es so etwas gibt.

Inzwischen sind die Babys ein Jahr alt und die Huskies sind ihre besten Freunde. Alle Katzen dürfen bei den Hunden alles und umgekehrt. Nike macht ihren Milchtritt auf Cash, dem das aber nicht immer gefällt, dann geht er einfach weg. Cash legt seine Pfote auf da Vinci, dem das auch nicht immer gefällt, der aber nicht einfach weggehen kann weil die Pfote zu schwer ist und ihn festhält. Dann maunzt er, Cash hebt erschrocken die Pfote auf und der Kater geht einen! Schritt zur Seite. Wir führen ein lustiges, interessantes, manchmal auch aufregendes Leben. Beinahe glaube ich, dass die Bindung der Katzen zu den Hunden stärker ist als zu mir, dem Menschen. Das ist ok für mich, denn ich bin oft nicht daheim und dann freut es mich zu wissen, dass sie einander haben.

© Heidi Larcher

Mehr Informationen zu Heidi Larcher finden Sie auf Ihrer Internetseite: http://www.byb.at